Deutsche Klassik im Wedding: Woyzeck, der Film

Ein Regisseur türkisch-armenisch-jüdischer Abstimmung verfilmt einen deutschen Theater-Klassiker, der unter Deutschen im Wedding spielt. Denn der Regisseur „brauchte einen Menschen, der eine Minderheit in einer Minderheit darstellt.“ Auf der Suche nach den Wedding-Filmen ist dank Benutzer:Queryzo der Wikipedia-Artikel über den deutschen Fernsehfilm Woyzeck aus dem Jahr 2013 entstanden.

Der Film ist Grimme-Preis nominiert und hat durchaus interessante und eindrucksvolle Kritiken bekommen. Dennoch ist er mittlerweile wohl fast vergessen und im Niemandsland des ambitionierten deutschen Spiefilms ohne Nachhall verschwunden: die Verfilmung von Georg Büchners Drama Woyzeck, kontrastiert mit den Straßenthemen vor der Tür. Woyzeck, im Original Büchners wie auch im Film die Geschichte eines Soldaten – aufgerieben zwischen Geldnot, schickanierenden Vorgesetzten und ener sich abwendenden Frau, die tragisch endet. Im Original ohne genaue Ortsangabe, vermutlich aber in Leipzig. Im Film von 2013 im Wedding.

Und wieder einmal – wie eigentlich immer im Film – wurde der Wedding benutzt, um das wahre Leben und dessen Abgründe darzustellen. Laut Süddeutscher Zeitung ist der Wedding im Film „eine „gesetzlose Zone, Ein-Euro-Shops und heruntergekommene Straßenzüge, aufgeteilt zwischen Gangs aus aller Herren Länder“ dessen Straßenjargon der Regisseur mit der Straße Büchners konfrontiert.

Sicher ein spannender, gut inszenierter und gemachter Film, der es schafft, dem Bühnenstück neues Leben einzuhochen. Und als Wikipedianer dokumentieren wir ja nur, enthalten uns der Meinung, sammeln und geben es weiter.

Trotzdem würde es mich freuen, mal über irgendeinen Wedding-Film zu lesen, bei dem sich nicht alle Protagonisten am Rande ihrer Kräfte durch die Handlung schleppen müssen, nur damit es tragisch endet. Dreht doch mal einen Film in dem die Menschen wirklich leben!

Für die Themenwahl der Filmemacher nun aber kann weder Wikipedia noch Queryzo etwas. Schön auf jeden Fall, dass der Film jetzt ein wenig zugänglicher und etwas weniger vergessen ist.

Titelbild: Konzeptblatt aus Büchners Woyzeck – Straßenszene, Folioformat – Bogen IV,2, Public Domain

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