Wedding-Filme gesucht

Der Wedding ist nicht nur, er wird auch gezeigt. Das Bild vieler Menschen vom Wedding stammt nicht aus eigenem Erleben, sondern aus dem, was ihnen durch andere und durch Medien vermittelt wird. Filme spielen dabei eine wichtige Rolle. Da wir Wikipedia sind, haben wir den Anspruch möglichst alle Filme mit Wedding-Bezug zu sammeln und umfassend zu dokumentieren.

Deshalb die Frage an alle Mitlesenden, Wedding- oder Film- oder Wikipedia-interessierten? Was fehlt? Wer kann helfen, die Artikel zu den bisher gefundenen Filmen zu verbessern oder gar erst zu erstellen?

Bisher haben wir 12 Filme gefunden, die einen direkten Wedding-Bezug zeigen. Alle sollen das „wahre Leben“ zeigen und die Welt von unten darstellen. Dramen sind häufig, Komödien fast nicht vorhanden. Der Suizid scheint über die Jahrzehnte hindurch Grundkonstante des verfilmten Weddings zu sein. Auffallend ist übrigens auch, dass ein für Spielfilme erstaunlich großer Anteil der Filme eine weibliche Hauptfigur in den Mittelpunkt der Handlung stellt.

Interessant ist wie sich die Perspektive änderte.Die Vorkriegsfilme aus der kommunistischen Kulturszene und dem Umfeld von Prometheus Film heraus. Sie stellen das Leben der Menschen im Elend dar und bieten die drei Lösungswege Suizid, Kriminalität oder Anschluss an die kommunistische Bewegung. Das Bild wandelte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: noch immer stehen Menschen in prekären Lebenslagen im Mittelpunkt der Filme. Es geht aber mehr um die Menschen selbst, ihren einsamen Kampf in schwieriger Lage. Die Hoffnung – so es denn überhaupt eine gibt – liegt nicht mehr im Kommunismus, sondern jeder steht für sich allein.

Aus der kommunistischen Zeit stammen: Mutter Krausens Fahrt ins Glück, D 1929, Zeitprobleme: Wie der Arbeiter wohnt (D 1930, noch kein Wikipedia-Artikel), , 100.000 unter roten Fahnen (D 1930, noch kein Wikipedia-Artikel) und Kuhle Wampe, D 1932. Zeitprobleme und 100.000 sind Dokumentationen, die heute wohl vor allem noch von historischem Interesse sind, ist Mutter Krause ein von Heinrich-Zille inspiriertes Drama, dass das Leben am Rande des Abgrundes im Wedding zeigt. Während die Titelheldin am Ende des Films den Gashahn öffnet und ihr Sohn wegen eines Einbruchsversuchs im Gefängnis landet, schließt sich die Tochter den Kommunisten an. Kuhle Wampe, ein echter Filmklassiker deutlich beeinflusst vom epischen Theater des auch am Film beteiligten Bertolt Brecht, dreht sich um das Leben der Anni zwischen Arbeit und Arbeitslosigkeit, ungewollter Schwangerschaft und Abtreibung, Obdachlosigkeit und der Solidarität politischer Arbeiter.

Eine Sonderrolle spielt der Film Die Halbstarken (Deutschland 1956). Vermutlich der bekannteste und am breitesten rezepierte Wedding-Film. Auch er möchte eine soziale Realität zeigen und nah dran sein. Allerdings spielt in einer unbenannten Großstadt, die für Außenstehende vor allem durch die Autokennzeichen als Berlin erkennbar ist. Drehort zahlreicher Außenaufnahmen war allerdings der Wedding, ebenso wie die zentrale Eingangsszene des Films im – damals noch als Schwimmbad dienenden – Stadtbad Wedding spielt.

Quasi ein Spätwerk der kommunistischen Wedding-Filme ist Lissy, (DDR 1957): die Geschichte eine Weddinger Arbeitermädchens, die nach der Machtergreifung der Nazis durch die Nazis ihren Weg zum bürgerlichen Aufstieg geebnet sieht, nur um darin zu scheitern und schließlich fernab der Nazis ein neues Leben zu beginnen.

Echte Wedding-Filme sind Kein Mord, kein Totschlag (BRD 1985), Wedding (D 1990), Kroko (D 2003), Abgebrannt (D 2011) und Woyzeck (D 2013). Kein Mord, kein Totschlag – eine Dokumentation ohne Kommentar aus dem Elend des Nachtlebens. Wedding – der einzige aller Wedding-Filme, den man zumindest in Teilen als fröhlch beschreiben kann. Drei Freunde treffen sich zehn Jahre nach dem Ende der Schulzeit wieder im Wedding, denken über ihr Leben nach und über die Zukunft. Auch hier Tote, ausweglose Situationen und das Elend des Lebens an sich. Hier aber auch, in der einzigen Wedding-Komödie Humor und lustige Szenen. Kroko – Spielfilm über eine Jugendliche, die ihre Zeit mit Gewalt verbringt und durch die verordneten Sozialstunden in einer Behinderteneinrichtung wächst. Abgebrannt – das Drama einer alleinerziehenden deutsch-türkischen Mutter und dem erfolglosen Versuch eines besseres Lebens; Woyzeck, eine Neuverfilmung der bekannten Geschichte menschlichen Elends, aktualisiert und verlegt in den Wedding.

Eine Erwähnung ehrenhalber geht noch an die diverse Verfilmung des Hans-Fallada-Romans „Jeder stirbt für sich allein.“ Bisher viermal in der Wikipedia vorhanden, wobei die 1975er-Verfilmung und die 2016er-Verfilmung  eigene Wikipedia-Artikel besitzen. Wichtig ist gerade die diesjährige Version: ein Berlinale-Teilnehmer mit internationalem Starcast. Die Verfilmung des gleichnamigen Buchs von Hans Fallada. spielt nicht im Wedding und ist dort auch nicht gedreht. Die erzählte Geschichte ist aber die Geschichte von Otto und Elisa Hampels, Widerständlern gegen die Nazis aus dem Wedding, die – der in der DDR lebende und schreibende Fallada – in den Prenzlauer Berg verlegte. Damals quasi der Zwillingsbezirk zum Wedding auf der  anderen- für Fallada richtigen – Seite der Grenze.

Noch eine größere Ausnahme und in seiner Rezeption noch stärker ausgeprägt ist die 1978er-Serie Holocaust, die inhaltlich nichts weiter mit dem Wedding zu tun hatte, aber die Architektur des Bezirks für Außenaufnamen nutte, die das Warschauer Ghettos darstellten.

Soviel zu den bisher der Wikipedia bekannten Filmen. Aber das kann doch nicht alles sein? Wer mehr weiß: bitte entweder direkt in der Liste eintragen, oder Hinweise per Blog-Kommentar hinterlassen oder aber eine E-Mail an wikiwedding@wikipedia.de schreiben.

 

Titelbild: Berliner Gedenktafel, Otto Hermann Hampel, Amsterdamer Straße 10, Berlin-Wedding, Deutschland Von: OTFW Lizenz: CC-BY-SA 3.0

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2 Gedanken zu “Wedding-Filme gesucht

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